Schmetterling im Schnee
Schmetterling im Schnee | © sabinesgarten GmbH

Schmetterling im Schnee

Heuer duftet der Seidelbast so intensiv in der Frühlingssonne wie noch nie. Vielleicht nehme ich ihn einfach bewusster wahr, weil meine Sinne sich auf Alarmstufe Rot eingestellt haben. Die Wahrnehmung ist in einem hyperaktiven Bereich, das kleinste Detail bekommt immense Bedeutung, als wären wir alle auf Drogen. Und so nehmen wir nun auch das Parfüm der kleinen Blüten am Wegesrand anders wahr, bewundern wir jedes einzelne Elfenkrokus wie ein noch nie dagewesenes Mirakel. Das grösste Wunder aber, und das hatte in dem Moment für mich schon fast biblische Ausmasse – es war ein bisschen wie die Taube mit dem Olivenzweig, die zur Arche Noah geflogen kam  – jedenfalls, dieser Tage, wo man ja nicht mehr so genau weiss, ob man überhaupt noch raus an die frische Luft darf oder nicht, bin ich mutterseelenallein aufs Walighürli gefellt. Sass dort oben und betrachtete die Landschaft, so ganz für mich allein. Wie still alles war, wie friedlich der laue Schnee in der Frühlingssonne! Wie ich da so sass und sinnierte, landete ein Fuchsschwanz auf meinem linken Skischuh. Ich war zutiefst gerührt, ja fast erschüttert. Dass da noch ein anderes Lebewesen auftauchte, sich gar in meine Nähe getraute! Nichts von zwei Meter Abstand, nein, der Schmetterling sass minutenlang auf meinem Skischuh. Er wippte mit seinen rotschwarzen Flügeln, als wolle er mir zuwinken. Diese unerwartete Nähe, sein zutrauliches Flügelwinken, es war ergreifend. Und das sagt jetzt nicht so viel über den Schmetterling aus, hingegen einiges über meine derzeitige Gemütsverfassung. Nun gut, irgendwann ist er weitergeflogen. Und ich bin dann gemütlich durch den samtigen Sulzschnee gekurvt, habe beim Bänklein, wo ich im Frühling jeweils meine Turnschuhe deponiere, die Skischuhe ausgezogen und mich zu Fuss auf den Heimweg gemacht. Irgendwie war die Welt nun aber eine andere. Der Weg war jetzt gespickt mit Blumen, die ich beim Aufstieg gar noch nicht gesehen hatte. Da war der Seidelbast, von dem ich jetzt plötzlich Dutzende sah, nicht nur einzelne Zweige. Über viele Meter war der Weg von seinen duftenden Blüten gesäumt. In der Mitte des Weges hatten sich leuchtend gelbe Huflattich-Blüten geöffnet, die beim Aufstieg ganz sicher auch noch nicht dort gewesen waren. Weiter unten stapfte ich mit meiner Tourenausrüstung durch eine Wiese voller Elfenkrokusse. Ich legte meine Skier in die Wiese, und stellte mir vor, die Blüten wären Schnee.

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